"Die Alm - Ein Ort für die Seele"
Lesung mit der Autorin Martina Fischer
Lebensweisheiten, Geschichten und Rezepte einer Sennerin
Freitag, 10.05.2019, 19.30 Uhr

Die stille Abgeschiedenheit des Berges, fernab vom hektischen Alltag im Tal: Das sind die Sommer von Martina Fischer. Von Almauftrieb bis Almabtrieb übernimmt sie die harte Arbeit einer Almerin, melkt Kühe, macht Butter und Käse, mistet den Stall aus, füttert die Tiere. So lebt sie im ursprünglichen Rhythmus der Jahreszeiten, den Gewalten der Natur ausgeliefert. Doch einsam wird es auf der Alm nie. Ein enges Verhältnis zu den Tieren erfüllt ihr Leben auf eine ganze neue Weise und auch an interessanten Besuchern mangelt es nicht. In diesem Buch will uns die inspirierend bodenständige Autorin an ihrem Alltag, ihren Gedanken und Einsichten aus dem Leben auf der Alm teilhaben lassen.
Vortrag mit Abendkasse
Die Veranstaltung findet in Zusammenarbeit von Volkshochschule und Bibliothek Germering statt.

Bewertung im Internet:
Sabbatical, Downshifting, Auszeit. Viele Menschen träumen davon, Job und Alltag einmal den Rücken zu kehren bzw. Arbeitsstunden zu reduzieren. Martina Fischer hat sich diesen Traum erfüllt. Vier Sommer verbrachte die gelernte Krankenschwester und Ernährungsberaterin auf verschiedenen bayerischen Almen. Aus den Lebensweisheiten, Geschichten und Rezepte(n) der „Teilzeit-Sennerin“ ist ein wundervolles Buch entstanden, das den Leser in eine Welt ohne feste Tages- und Wochenpläne entführt. (Un-)freiwilliger Minimalismus und positive Redundanzen inklusive.

Tagesablauf auf der Alm
Denn die Bewirtschaftung der mehrere Hektar großen Gebiete und die Versorgung der Nutztiere erfordern zu jeder Jahreszeit ein kontinuierliches Maß an körperlichem und psychischem Einsatz. Wie kräftezehrend und nervenaufreibend das sein kann, daraus macht Fischer an keiner Stelle einen Hehl. Und das Leben auf der Alm erfordert eine spezielle Form von Achtsamkeit. Sie ist resistent gegen Zeitmanagement und Effizienzsteigerung in einer als - ach so fröhlichen - Hochleistungskultur beschriebenen modernen Gesellschaft. Wer sich auf die Erfahrung AlmerIn einlässt, stellt schnell fest: Der Mensch muss sich an den Rhythmus von Natur und Tieren anpassen, loslassen und die Langsamkeit (der Kühe) akzeptieren lernen. Die Uhr darf hier keinerlei Rolle spielen.

Genussvolle Lektüre
Die Alm stellt keinen wildromantischen Tatsachenbericht dar, sondern beschreibt den typischen Tagesablauf in all seinen Facetten - vom Einheizen, Buttern, Kühe holen und melken bis hin zur Bewirtung der Hüttengäste. 17-Stunden-Tage sind hier keine Seltenheit und weit vom klassischen nine-to-five entfernt. Melken und Milchverarbeitung gliedern die Wochen, immer gleiche Abläufe geben sich mit wenigen Ausnahmen die Klinke in die Hand. Schlafmangel ist eine der größten Belastungen, Wind und Wetter sorgen für entsprechende Hochs und Tiefs, auch der eigenen Stimmung. Manchmal ist dann selbst in den Bergen mehr Platz für Hektik und Ungeduld als für Gelassenheit.

Fazit
Trotz schonungslosem Realismus ist die Lektüre der 240 Seiten ein reiner Genuss. Aufmachung, Bildauswahl und nicht zuletzt zahlreiche Rezepte verfehlen ihre Wirkung nicht. Selten werden beim Lesen so viele Sinne angesprochen, werden kleine Weisheiten in einfache Sprache verpackt und Aufmerksamkeit und Wahrnehmung für scheinbar alltägliche Dinge geschärft. Wer oft das Gefühl hat, überfrachtet oder Opfer der Schnellebigkeit zu sein, wer verschnaufen oder einfach nur kurz innehalten möchte, dem sei diese Lektüre wärmstens empfohlen. Ein Buch zum Ankommen und Zurückkommen, zum Umdenken und Innehalten.